Wow, dass Kambodscha so anders ist als Thailand hätte ich nicht gedacht.
Es fing alles eigentlich ganz harmlos heute morgen an, der Hotelmanager wollte mich sprechen und nach dem Frühstück hat er mich dann freundlich und persönlich in seinem Hotel begrüsst. Er hat mir dann Informationen gegeben was ich mir hier anschauen kann, was ein Tuk Tuk kostet und vieles mehr. Unter anderem hat er für mich dann die Busfahrkarte organisiert, die mich am Sonntag nach Angkor Wat bringen wird. Jetzt am Abend habe ich diese Karte schon abgeholt an der Rezeption.
Dann hat er mir ein Hotel in Siem Reap besorgt und dieses gleich für 2 Tage reserviert. Das ist mal ein Service, so etwas habe ich noch nie erlebt. Überhaupt ist der Service hier nicht zu beschreiben.
Ich dachte Thailand ist das Land des Lächelns, dies aber durfte ich heute hier korrigieren, denn egal wem man begegnet hier in Phnom Phen, jeder lächelt einen freundlichen und aus vollem Herzen an.
Ich fahre mit dem Tuk Tuk an einem Fahrradfahrer vorbei und dieser lächelt mich freundlich an. Ich gehe in der Stadt an einem Mann vorbei und auch dieser lächelt mich freundlich an. So ein freundliches Land habe ich noch nie gesehen und es ist ein Genuss hier sein zu dürfen.
Nachdem schon meine Reise nach Angkor Wat organisiert war wollte ich in den russischen Markt. Der russische Markt ist ein grosser einfacher Markt wo man alles kaufen kann. Viele Touristen kaufen hier Geschenke, andere wieder kaufen Kleidung die hier unglaublich günstig sein muss, und wiederum andere essen dort. Der Geruch des Essens dort jedoch ist nichts für mich, und dort würde ich offen gesagt nichts essen. Ganze Schweine hängen hier rum aber ungekühlt und das bei einer Hitze von fast 40 Grad. Ich werde natürlich auch auf dem Markt fündig und kaufe dort ein paar schöne Geschenke für meinen lieben Freunde in Europa.
David, falls Du den Blogeintrag liest, auch für Dich habe ich schon ein schönes Geschenk gefunden, das allerdings aus Thailand. Vielleicht liest Du ja den Blogeintrag zusammen mit Ted oder Diana, liebe Grüsse an Euch an dieser Stelle.
Die Tuk Tuk Fahrer haben hier alles äusserst gut organisiert, und man braucht sich um nichts kümmern. Man kommt aus dem Hotel raus und schon steht ein Fahrer bereit und zeigt einem eine Karte mit Sehenswürdigkeiten die man sich hier ansehen kann.
Ich sage ihm ich möchte nur zu dem russischen Markt. Die Fahrt soll 3 Dollar kosten, und da mein Problem mit den Geldkarten gelöst ist, kann ich auch wieder genug Dollar ziehen um weiter zu reisen. Während der Fahrt sehe ich die verschiedenen Orte in einem Plakat was direkt vor mir hängt. Dort sehe ich die Killing Fields, und es soll in der Nähe des russischen Marktes ein kleines Killing Field geben. Ich entscheide mich dann doch direkt für die grossen Killing Fields und so fahre ich mit dem Tuk Tuk etwa 1 Stunde ausserhalb Phnom Penhs direkt dort hin.
Die Fahrt ist schon unglaublich. Jetzt sehe ich wie arm das Land wirklich ist, und wahrscheinlich ist es auf den Dörfern noch viel ärmer. Man sagte mir gestern, dass wenn ich hier auf die Dörfer fahre mir die Menschen winkend entgegenlaufen und den “Barang” den Ausländer zu begrüssen. Auch das muss ein unglaubliches Erlebnis sein und vielleicht werde ich auch das noch einmal machen.
Jetzt denke ich gerade an Florian und Maike, welche hier auch gerne einmal eine Zeit verbringen wollen. Ganz liebe Grüsse von mir an Euch beide, ich habe am heutigen Tage viel an Euch gedacht. Auch sonst denke ich oft an Euch aber heute besonders.
Innerhalb von kürzester Zeit ist man schon ausserhalb Phnom Penhs und die Stadt kann eigentlich gar nicht so gross sein. Dafür aber führen lange Strassen aus der Stadt raus, welche voll mit Geschäften sind. Bürgersteige gibt es hier nicht und sicher werde ich nachher eine weitere Dusche vor lauter Staub benötigen.
Hier kann man sehen wie arm die Menschen sind, manche haben nur ein Tuch umgebunden und haben sonst nichts anzuziehen. Viele Menschen laufen Barfuss herum obwohl die Meisten ja doch Schlappen haben. Es ist ein gewaltiger Verkehr schon morgens und es ist ein geschäftiges Treiben. Während der Fahrt steigen mir fast die Tränen in die Augen so berührt bin ich von der Kultur auf diese ich hier gerade treffe. Ich bin ja schon viel gewohnt mit Peru und habe auch in Mexico schon Armut erlebt, was ich aber hier sehe übertrifft alles was ich gesehen habe bei weitem.
Und trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, die Menschen sind fröhlich bei der Arbeit irgendwie macht hier jeder irgendwas und lächeln freundlich den anderen zu. Junge Menschen und Kinder spielen auf der Strasse und es ist eine so gelassene Atmosphäre wie ich selten erlebt habe. Die Armut jedoch die man hier fühlt und das Gefühl mit einem Tuk Tuk hier durch diese Orte zu fahren ist für mich äusserst ergreifend und selbst die Killing Fields haben in mir so ein Gefühl nicht hervorgerufen.
Es ist die Fahrt, es ist das Treffen dieser Kultur was mich äusserst beeindruckt. Selbst beim Schreiben dieser Worte habe ich eine Gänsehaut und bin so berührt wie nur ganz selten in meinem Leben.
Warum mich dieser Ort so berührt kann ich nicht sagen, aber es sind solch starke Gefühle die einfach da sind, ohne Grund und ohne Ankündigung.
Nach 1 Stunde Fahrt kommen wir in den Killing Fields an, von denen es etwa 300 hier in Kambodscha gibt. Ich zahle 5 Dollar Eintritt und mein Tuk Tuk Fahrer wartet auf mich bis ich mit der Besichtigung durch bin.
Es gibt elektronische Führer die man sich umhängen kann und so ist man bei der Besichtigung mit viel Information und das sogar in Deutsch versorgt. Ich habe so viel über die Kultur und die Menschen gelernt bei dieser Besichtigung, das ist schon unglaublich.
Was man dann sieht in Verbindung mit dem was einen zu den einzelnen Stationen gesagt wird, ist schon Hardcore. Manchmal muss ich mich setzen oder mir stehen die Tränen in den Augen bei dem was hier passiert ist. Ich dachte immer wir Deutschen hätten nur so eine schwarze Vergangenheit aber das was hier passiert ist ist glaube ich mit nichts zu vergleichen was an anderen Teilen der Welt passierte.
1975 – 1979 haben die roten Khmer in diesen Fields ca. 200.000 Menschen umgebracht auf brutalste Weise, die einem den Atem stocken lässt.
Es handelt sich bei den Killing Fields um Gedenkstätten wobei diese aus offenen Gräbern bestehen. Gräber ist zuviel gesagt denn es sind einfach Berge mit Knochen und Leichen.

Knochen die von der Erde nach oben getragen werden und Kleidungsreste die immer wieder zum Vorschein kommen
Das bekannteste aller Killing Fields ist das von Choeung Ek, welches ich heute besucht habe. Alleine dort sind ca. 17.000 Menschen umgebracht worden. Man hat als die rote Khmer an die Macht kam in Kambodscha, alle Städte entkolonialisiert das heisst alle Stadtbewohner wurden auf die Dörfer getrieben. Die meisten von ihnen und vor allem studierte Leute, Lehrer und überhaupt Stadtbewohner wurden in diese Killing Fields gebracht und ihnen wurde vorgegaukelt sie kämen in neue Häuser.
Die roten Khmer haben sich die Landbevölkerung ausgesucht für Ihre Armeen und vornehmlich junge Männer. Heute habe ich Bilder von 14 jährigen Soldaten der roten Khmer gesehen. Die Soldaten haben einfach gehorcht und das gemacht was man ihnen gesagt hat. Alles wurde streng geheim gehalten. Die Menschen wurden in Lastwagen wobei im letzten Jahr des Terrors jeden Tag ein Lastwagen mit Menschen ankam.
Die Menschen wurden dann am gleichen Tag getötet und viele wussten wohl schon bei ihrer Fahr dorthin, dass sie auf dem Weg in den Tod sind. Man tötete die Menschen nicht mit Pistolen, da waren die Patronen zu teuer. Die Menschen wurden erschlagen, ihnen wurde der Schädel eingeschlagen oder ihnen wurde die Kehle durchgeschnitten mit einem Blatt einer Palme welches ziemlich scharf ist.
Am Eingang der Killing Fields sieht man ein Denkmal in dem ca. 10000 Schädel untergebracht sind. Diese stammen von den Verstorbenen und man sieht an den Schädeln, dass die meisten eine Fraktur haben die von Stöcken, Hämmern, oder Schüppen stammt. Noch heute kommen aus der Erde weitere Knochen und Kleidung hervor. Diese werden einfach nach oben getragen im Laufe der Zeit und dann eingesammelt. Ich selber habe Knochen gesehen die aus der Erde hervorkommen so etwas ist schon unglaublich.
Die roten Khmer haben innerhalb von 3 Jahren 3 Millionen von 8 Millionen Menschen umgebracht das ist schon unglaublich.
Es gibt in diesen Killing Fields einen Killing Tree. Dieser heisst so, weil dort die Babys und Kleinkinder getötet wurden indem man sie an den Füssen gepackt hat und sie mit dem Kopf gegen den Baum geschlagen hat. Als diese Stelle entdeckt wurde, war der Baum mit Blut und Gehirn bedeckt von den vielen getöteten Kindern. Wenn man Bilder sieht von diesen Dingen kann man es eigentlich gar nicht glauben, dass Menschen zu so etwas fähig sind.
Die roten Khmer wurden von den vietnamesischen Truppen verjagt und zerschlagen und trotzdem blieben diese noch 20 Jahre lang, aus dem Untergrund arbeitend für viele westliche Länder die Machthaber in Kambodscha.
Deutschland unterhielt bis fast 1998 diplomatische Verbindung zu dieser Organisation ebenso die USA und noch weitere Länder. Schon längst war bekannt was die roten Khmer hier angerichtet haben und einer der grössten Massenmorde unserer Geschichte fand hier in Kambodscha statt, wie kann man zu so einer Organisation diplomatische Beziehungen aufrecht erhalten. Unsere Politiker müssten für so etwas zur Verantwortung gezogen werden.
Und noch schlimmer, viele westliche Länder unterstützten die roten Khmer bis 1998 bis zu ihrer endgültigen Zerschlagung. Auch das ist nicht zu glauben.
Schon vorher hatte Kambodscha immer wieder grösste politische Probleme, direkt vor den roten Khmer haben die USA ihren Krieg von Vietnam auf Kambodscha ausgedehnt um die Versorgungslinien zu kappen.
Fast 3 Millionen Tonnen bomben wurden in Kambodscha abgeworfen und alleine 1973 waren es doppelt so viele Bomben wie über Japan im gesamten 2. Weltkrieg.
Während der Herrschaft der roten Khmer wurden Bücher verbrannt Schulen geschlossen, da diese verboten waren und alle Lehrer ermordet, denn eine dumme Bevölkerung lässt sich leichter regieren.
Das alles spürt man in den Killing Fields und es ist ein der schrecklichsten Orte, die ich in meinem ganzen Leben besucht habe.
Nach den Killing Fields war ich dann noch auf dem russischen Markt und anschliessend in einem Gefängnis, einer ehemaligen Schule welche zu dem schrecklichsten Gefängnis dieser Zeit umgebaut wurde.
Das heutige Tuol Sleng Genozid Museum ist dieses Gefängnis in dem man heute noch sehen kann was dort passiert ist. Hier wurde systematisch gefoltert und es waren fast immer Anschuldigungen die völlig unberechtigt waren. Die roten Khmer haben in allem und jedem einen Feind gesehen und der Feind musste getötet werden.
14.000 Menschen wurden an diesem Ort zu Tode gefoltert nur 7 der Gefangenen haben das überlebt. Ich habe heute einen dieser 7 Gefangenen die diesen Massenmord überlebt haben kennen gelernt. Er arbeitet für die Regierung hier im Museum und hat ein Buch geschrieben über seine Zeit als Gefangener. Auch er lächelte mich freundlich an und man kann es kaum glauben, ein Teil realer Geschichte vor sich zu haben. Ein Foto mit ihm wollte ich nicht, das wäre mir nicht angemessen.
Noch ein kurzer Hinweis auf gestern Abend. Leider habe ich nicht genug Zeit alles niederzuschreiben was mir passiert ist, und es steht noch ein Bericht aus Thailand aus mit einer sehr netten Erfahrung.
Trotzdem möchte ich noch kurz über gestern Abend berichten. Ich bin in die Rainbow Bar, eine schwule Bar bei mir um die Ecke. Dort wird jeder Gast der reinkommt persönlich begrüsst von und ihm wird ein schöner Platz ausgesucht. So eine Höflichkeit ist mir noch nie vorgekommen. Gut auch in Thailand wird jeder Gast obwohl es so viele sind persönlich begrüsst hier aber ist es unglaublich wie man sich um seine Gäste kümmert. Jeder lächelt einen an, und es gibt dazu leckeres Bier vom Fass für 1,25 Euro. Den Rest von 2 Dollar bekommt man in der Einheimischen Währung zurück.
Wenn ich mit 5 Dollar zahle, bekomme ich 4 Dollar und den Rest in einheimischer Währung zurück.
Die Freundlichkeit dieser Menschen in diesem Land erstaunt mich überaus. Nirgendwo auf der Welt habe ich so eine enorme Freundlichkeit erfahren. Trotzdem soll es auch hier die Bad Boys geben und durch unbeleuchtete Strassen soll man Abends nicht gehen. Ich folge dem Rat und fahre nachts mit dem Tuk Tuk ins Hotel.
Den heutigen Blogeintrag schliesse ich mit einem Gedenken an die vielen Menschen die hier in Kambodscha von den roten Khmer ermordet wurden. Und ich schliesse ihn in Gedenken an die Menschen die diese grausamen Taten vollbringen mussten, denn auch diese haben schliesslich nur gehorchen müssen.
Ich weiss offen gesagt nicht was schlimmer war, hier in den Killing Fields zu sterben, oder die Menschen auf so grausame Weise umbringen zu müssen. Viele Menschen der roten Khmer die heute noch Leben müssen mit diesen grausamen Erfahrungen leben, manche von denen waren 14 Jahre alt als sie diese grausamen Taten vollbrachten.
Was mag nur in deren Köpfen heute vorgehen.