Ich habe mich schon sehr darauf gefreut in die thailändische Kultur einzutauchen und so war ich am Sonntag zusammen mit Neet in einem Tempel und habe dort die Gebräuche kennen gelernt.
Es ist nicht einfach ein Tempel, es ist eine Weltanschauung was man hier antrifft. Es ist auch nicht nur ein Tempel es ist eine ganze Tempelanlage. Dort leben die Mönche und für die verschiedensten Anlässe gibt es einen Tempel.
Ich war in dem ganz normalen kleinen Tempel für “jeden Tag”. Bevor es in den Tempel ging jedoch haben wir noch ein wenig gespendet für die Mönche. Es gibt hier verschiedene Möglichkeiten zu spenden.
Gestern haben wir zum Beispiel in einer Tempelanlage für die Erhaltung des Tempels gespendet. Dort kann man dann für 10 Bath einen Ziegel bekommen, dort wiederum hängt ein Zettel drauf und da schreibt man seinen Namen und sein Geburtsdatum drauf. Diesen hängt man dann auf ein kleines Dach. Damit hat man mit 10 Bath seinen Beitrag zum Erhalt des Tempels beigetragen, denn das Geld davon wird ausschliesslich dafür verwendet.
In einem anderen Tempel haben wir für die Erziehung der Mönche gespendet, dort haben wir eine Kerze bekommen welche wir dann zusammen mit Räucherstäbchen und einer Blume vor 7 Buddhas ablegen durften. Dort haben wir auch gebetet. Ich habe zum Beispiel für die vielen Aids und HIV kranken Menschen auf dieser Welt gebetet. Jeder sucht sein Thema und immer können es andere Themen sein.
Gibt man etwas den Mönchen, so kommt es auf irgendeine Art immer wieder auf einen zurück, so der Glaube der Buddhisten. Es ist hier eine Ehre den Mönchen etwas zu spenden und das merkt man auch. Die 7 Buddhas sind übrigens die 7 Aktivitäten des Buddha, eine Aktivität für jeden Tag. Warum das so ist kann ich nicht sagen, so weit kenne ich das alles noch nicht aber es ist eine Aktivität für jeden Tag und man kann für eine gezielte Aktivität also für einen Tag spenden. Dann wird das Geld genau für diesen Tag genommen.
Überhaupt gefällt mir dieser Glaube sehr, das war mir eigentlich schon vorher klar. Hier jedoch bekomme ich die Bestätigung dafür. Essen wird den Mönchen ebenso gespendet und was ich besonders schön finde, jeden Tag am Morgen um 7-8 Uhr können Menschen in die Tempel kommen, die nichts zu essen haben. Dort wird ihnen Essen gegeben. Die Mönche geben so etwas von dem weiter was sie von anderen bekommen. Im Gegensatz zur christlichen Kirche bereichern sich die Mönche hier nicht sondern geben ab von dem was sie haben.
So erschreckend wenn ich überlege wie viele Menschen in Lima studieren wollen, 60000 jedes Jahr und nur 1500 können jährlich angenommen werden. Dann gibt es eine katholische Uni welche im Gegensatz zur stattlichen Uni Platz hat, dort aber muss man unglaublich viel Geld zahlen um studieren zu können und wer hat das Geld in Peru schon. Statt dass die Kirche hier den Menschen kostenlos einen Studienplatz gibt aber nein, sie wollen sich noch der Armut der Menschen bereichern, mir einfach unverständlich.
Das läuft hier in Thailand anders, ein Mönch hat hier nichts, er gibt von dem was er hat und gibt es den bedürftigen Menschen.
Schliesslich waren wir noch im Tempel selber und haben uns vor dem Buddha verneigt. Jeder muss dort die Schuhe ausziehen und nur mit langen Hosen ist der Zutritt gestattet. 3 Mal verneigt man sich vor dem Buddha und ich musste erst einmal lernen wie das alles funktioniert und wie man das macht.
Nachdem ich mich verneigt habe habe ich die wunderbaren Zeichnungen an der Wand gesehen. Diese erzählen von den 10 Leben die Buddha hatte bevor er zu Buddha wurde. Eine interessante Geschichte und so wunderschön in Bildern erzählt.
Nach der Verneigung und dem Betrachten der Malereien dann haben wir uns vor den Mönchen verneigt. Dort wurden wir mit Wasser beträufelt von einem Mönch, dieses soll uns schützen alles Böse von uns abwehren. Dann wurde uns von dem Mönch ein Armband aus dünnen Bindfaden umgebunden.
Etwas eng war das Armband anfangs aber es hat sich etwas geweitet. Nach der Zeremonie dann sind wir wieder aus dem Tempel raus und ich war gebannt von dem was ich dort gerade erfahren habe. Schöne Ritualien, respektvoll und vermischt mit buddhistischem Glauben, das war schon einmalig und ich werde sicherlich jetzt öfter in die Tempel gehen.
Geld kann man auch spenden und dieses einfach an einen Baum hängen, wofür das jetzt genau ist, weiss ich nicht mehr.
Neet hat dann noch etwas gespendet und dafür ein Armband von den Mönchen bekommen, welches er mir geschenkt hat. Es soll mich schützen und ich freue mich sehr über ein Geschenk der ganz besonderen Art.
Mit so viel Schutz des Buddhas kann mir eigentlich ja gar nichts mehr passieren. Es war ein Tag der ganz besonderen Art den ich nie vergessen werde. Ich habe eine wunderschöne Kultur kennen gelernt welche respektvoll miteinander umgeht und wo die Welt noch in Ordnung ist. Sicher, nicht alles ist Gold was glänzt aber nicht umsonst ist Thailand eines der sichersten Reiseländer der Welt. Hier kann man eben noch nach Hause gehen ohne überfallen zu werden.
Der Buddhismus ist hier überall und man kann ihn fühlen. Für mich ist der Buddhismus keine Religion sondern eine Weltanschauung die mir sehr gefällt. Neet könnte den ganzen Tag im Tempel verbringen, den Mönchen helfen das Essen zu sammeln und zu verteilen, dort und hier anpacken er fühlt sich sehr wohl im Tempel und auch mich hat die Atmosphäre gepackt muss ich sagen. Ich freue mich auf den Besuch weiterer Tempel und auf das Eintauchen in eine mal ganz andere Welt.
Heute ein schönes Zitat von Huang Po – der Geist des Zen:
“Plötzlich aber der Tatsache gewahr zu werden, dass Euer eigener Geist Buddha ist
und nichts zu erreichen, keine einzige Handlung zu vollbringen ist,
das ist der höchste Weg”.