Eigentlich hätte es klar sein müssen, 2 Monate ohne gesundheitliche Probleme hier in Asien, und so hat es mich jetzt doch erwischt.
Ich war vorgestern mit Rut beim Inder essen, Rut kannte das Essen nicht und ich dachte das indische Essen muss wohl gut sein hier denn es gibt eine Menge Inder hier. Zudem ist mein Hotel in der Nähe von dem indischen Tempel also dachte ich wir versuchen den Inder mal.
Direkt nach dem Essen hatte ich einen Magen der mehr als aufgebläht war und ich konnte mich kaum bewegen. Das Gefühl würde auch im Laufe des Abends nicht besser. Am nächsten Tag dann Durchfall. Ich nahm zunächst ein Mittel gegen Durchfall was aber nicht geholfen hat. Dazu fühlte ich mich schlapp und hatte leichte Magenkrämpfe.
Schlafen konnte ich auch nicht mehr und ich wusste nicht wie ich liegen sollte. Dann einen Tag später habe ich entschieden doch zu Antibiotika zu greifen, denn es wurde immer schlimmer.
Wie gut, dass ich vorgesorgt hatte, und so hatte ich eine Packung Spiraxin dabei, das ist ein Antibiotikum was nur auf den Magen Darm Trakt wirkt und den Körper nicht ganz so stark belastet. Heute einen Tag später geht es mir schon besser, obwohl ich noch immer Durchfall habe, aber nicht mehr so stark wie vorher. Vielleicht werde ich die Dosis noch erhöhen, mal schauen. Bislang nehme ich eine Tablette alle 6 Stunden, vielleicht erhöhe ich auf 2 Tabletten alle 8 Stunden.
Da verkaufen die doch tatsächlich eine Packung Antibiotika die für gerade mal 3 Tage reicht. Ich war mir nicht sicher ob ich eine zweite Packung dabei hatte, aber wie immer hat das Universum gut vorgesorgt und so habe ich eine zweite Packung noch in meinem Koffer gefunden. Diese reicht dann auch für 5 Tage, denn 5 Tage muss ich mindestens die Antibiotika nehmen oder Ted?
Dementsprechend unspannend waren auch meine letzten Tage, die ich im Bett verbracht habe und nur für eine oder zwei Stunden in ein Cafe gegangen bin um ein wenig online zu sein.
Rut habe ich nicht wieder gesehen, er hatte sich ja in der einen Nacht so seltsam verhalten und ich fragte ihn nach seiner Reaktion. Er schrieb mir per sms ob ich immer noch der Meinung wäre dass er mich kontrollieren wollte, oder ob ich ihn doch wieder sehen wollte und den Kontakt weiter halten wollte zu ihm.
Naja er hat mich kontrolliert das ist sicher und das mag ich überhaupt nicht, dann aber zugeben zu müssen, dass es nicht so war nur um weiterhin mit ihm zusammen zu sein, das war mir dann doch zuviel des guten. Somit habe ich es vorgezogen nicht mehr mit ihm zusammen zu sein. Auch ich darf ihm dann mal ein paar Grenzen schenken.
Wunchen habe ich auch nicht wieder gesehen. Bei unserem letzten Treffen schenkte er mir eine Sonnenbrille. Wirklich nett von ihm aber das wollte ich überhaupt nicht. Zudem ist es eine der Sonnenbrillen die man auf der Strasse kauft, so nehme ich mal an, und diese sind extrem schädlich für die Augen.
Wie auch immer, es ist sehr lieb von ihm, dass er mir ein Geschenk macht und er fragte mich ob er mich am Tag zuvor schlecht behandelt habe und zu hart mit mir gesprochen habe. Nun das konnte ich verneinen und doch habe ich das Gefühl dass auch er klammern will denn er sprach schon von Heirat und so weiter. Also da lasse ich mir dann doch gerne etwas mehr Zeit und sein Tempo ist mir da zu schnell. So habe ich es vorgezogen, auch bei ihm mich nicht mehr zu melden.
Überhaupt scheine ich hier im Moment ein paar Menschen weh zu tun, nur weiss ich nicht warum. Neet wollte ich sehen und wir hatten uns verabredet dass er sich bei mir meldet wenn er in Silom ist. Er meldete sich vor 3 Tagen, da ich aber bei einer Massage war, konnte ich ihm nicht gleich antworten. Eine halbe Stunde später antwortet ich ihm und da war er schon wieder auf dem Rückweg.
Ich glaube Neet ist auch ziemlich durcheinander im Moment, er sagte mir etwas von einer Beziehung die er eingehen möchte, aber ob das alles so stimmt ich habe meine Zweifel.
Dann habe ich den netten jungen Mann wieder gesehen den ich schon vor ein paar Tagen auf der Strasse traf. Dieser überaus tolle gut aussehende Mann mit dem Strahlen und dem irre Lächeln. So ein Lächeln habe ich wirklich selten gesehen hübsch ist da kein Ausdruck.
Er arbeitet in einem Bekleidungsladen, bei einem Inder. Dort schneidert man Anzüge und Hemden innerhalb von 1 Tag, so wird dort zumindest Werbung gemacht. Auch dieses Mal traute ich mich nicht, das nächste Mal aber wenn er mich noch einmal bittet in den Laden zu kommen mache ich das und schaue dann einfach mal.
Er muss Inder sein, denn die Inder arbeiten immer unter sich hier in Thailand. Ein Inder und dann so überaus gutaussehend, also müssen die Inder doch auch was haben.
Jetzt habe ich das erst Mal seit 1,5 Tagen wieder was gegessen, nur eine kleine Suppe mit Fischbällchen und Fischnudeln. Pikantes ist jetzt nicht angesagt, aber findet erst einmal in Thailand etwas was nicht pikant ist, das ist gar nicht so einfach, zumal ich die Gerichte nicht gut kenne. Ich bin zwar schon 2 Monate hier aber die Auswahl an Essen ist einfach zu gewaltig als dass man sich alles merken könnte was man isst.
Es ist ja schon extrem heiss hier, aber heute schwitze ich besonders, vielleicht weil ich gerade eine Suppe gegessen habe und mein Magen ganz durcheinander ist und jetzt richtig hart arbeitet. Ich hoffe die Antibiotika wirken genug, denn dann muss ich nicht auf stärkere Antibiotika ausweichen.
Überhaupt bin ich immer nur 1-2 Stunden ausserhalb des Hotels, eigentlich liege ich immer im Bett die letzten Tage, wie sehr es den Körper doch beeinflussen kann wenn der Magen und Darm nicht funktioniert.
Ich denke immer wieder am Kambodscha und hätte wirklich grosse Lust noch einmal dorthin zu fahren. Die Menschen dort haben mich wirklich sehr beeindruckt und es wäre schön, könnte ich das noch einmal erleben.
Vielleicht kehre ich jetzt auch erst eimal zurück wie ich es auch geplant habe, kümmere mich dann um die Dinge des Lebens, die mir auch das nötige Geld zum Leben geben und dann kann ich ja wieder zurückkehren.
So wie ich mich kenne, wird es nicht lange dauert bis ich wieder hier in Asien bin.
Heute ein schönes Zitat von Laotse, Tao Te King:
“Wer zu glänzen versucht, verdunkelt sein eigenes Licht.”
Es sollte wohl so sein, einen Tag später war ich mit Rut noch einmal in diesem Tempel jedoch aus besonderem Anlass.
Magha Budcha ist einer der wichtigsten buddhistischen Feiertage für die Therevada Buddhisten, Therevada ist der Buddhismus der in Thailand praktiziert wird. An diesem besonderen Tag schliessen die meisten Geschäfte und fast jeder geht an diesem Tag in den Tempel.
So ging auch ich mit Rut in den Tempel, er machte mir den Vorschlag dort hin zu gehen. Es waren unglaublich viele Menschen in dem Tempel, und alles war sehr schön beleuchtet. Leider habe ich mit meiner Handy Kamera kaum Fotos machen können, aber es war ein unglaubliches Erlebnis.
Wir kauften zunächst wie alle eine Blume, die man aussucht, denn sie soll besonders schön sein, eine Kerze und 3 Räucherstäbchen. Diese 3 Räucherstäbchen entzündeten wir dann und gingen dann, wie alle, 3 Mal um den Tempel herum mit gefalteten Händen und den Räucherstäbchen. Dabei wird gebetet und auch ab und zu unterhält man sich.
Es ist schon ein bewegenden Erlebnis wenn man an solchen Feierlichkeiten teilnimmt, es ist wunderschön mit allen mitzugehen und einfach diese wunderbare und einzigartige Stimmung zu geniessen.
Nach dem Rundgang dann betet man einen Moment vor dem Buddha, da ausserhalb des Tempels an jeder Ecke ebenfalls Buddha stehen, es aber trotzdem einfach zu viele Menschen sind muss man sich anstellen um zu beten.
Man zieht wie immer die Schuhe aus, kniet vor dem Buddha und betet einen Moment mit den Räucherstäbchen in der Hand. Vorher hat man die Kerze entzündet und diese versucht man dann vor dem Buddha zu platzieren. Das ist gar nicht so einfach, denn man muss Wachs auf ein dünnes Metall Geländer stellen und darauf die Kerze platzieren, dazu kommt ein wenig Wind und die Kerze geht immer wieder aus. Wie auch immer, ich habe es geschafft die Kerze zu platzieren, dann ein wenig gebetet und dann Platz für die nächsten gemacht.
Anschliessend dann sind wir hinter den Buddha und haben diesen mit Goldplättchen beklebt die wir vorher gekauft hatten.
Auch diese Zeremonie dauert schon ihre Zeit und wie immer vergeht die Zeit im Tempel wie im Flug.
Als ich später in die Bars ging, hing dort ein Schild “no alcohol because of important buddha holiday”.
Ich sah auch überall die Menschen mit Bechern sitzen, also Papp Becher, keiner hatte ein Glas vor sich. Das sah ja schon sehr seltsam aus dachte ich mir. Rut bestellte mir dann ein Bier und das kam im Pappbecher.
Es werden also Schilder aufgestellt, wo klar gesagt wird, dass es keinen Alkohol gibt aber auf der anderen Seite schenkt man Alkohol aus. Das ist wohl typisch Thailand wie mir Rut sagt, es muss eben alles einfach gut aussehen. Und es sieht gut aus, denn an diesem heiligen Tag trinkt niemand Alkohol zumindest sieht man es nicht.
Ich habe diesen Tag mit Rut sehr genossen und anschliessend sind wir essen gegangen. Wir wollten eigentlich am Wochenende noch einmal in den weekend market, ich möchte mir gerne ein paar Dinge zusammenstellen für meinen Schreibtisch im Zimmer auf Teneriffa, um zu beten.
Dazu gehört ein kleiner Buddha, und wohl Blumen und viele andere Dinge, die ich im Moment noch nicht kenne. Der Abend aber hat sich dann doch etwas anders entwickelt und so bin ich nicht ganz sicher ob ich mit Rut weitere Zeit verbringen werde.
Ich sagte Rut bereits vorab, dass ich am Abend etwas Zeit für mich haben möchte. Das heisst ich habe ihn im Balcony alleine gelassen nach 3 Bier, 2 waren geplant. Er wollte das ausdehnen aber hat mir gesagt er verstehe mich. Ich möchte nicht jeden Tag mit Rut verbringen und brauche Freiraum. Ich möchte gerne über die Geschäfte nachdenken, die ich auf Teneriffa anstossen werde und es macht mir Spass darüber nachzudenken. Dazu aber muss ich alleine sein.
Ich ging dann in die Telephone Bar und Rut wollte nach Hause gehen. Er aber blieb gegenüber im Balcony und beobachtet mich gut was mir gar nicht gefiel. Ich ging anschliessend in die Disco denn dort kann ich auch immer gut nachdenken, sofern ich nicht zu viele Bier getrunken habe.
Rut folgte mir in die Disco und er schaute immer nach mir. Wie soll ich es geniessen alleine zu sein, wenn mir jemand auf Schritt und Tritt folgt.
Nun ich bin dann ins Hotel und Ruth schrieb mir eine SMS wo ich sei. Ich schrieb im Hotel er aber war sich da wohl nicht sicher. Er rief mich 7 Mal an, ich aber war müde und wollte schlafen. Dann rief er mich von der Hotel Rezeption an und sagte wir sollten sprechen. Nachts um halb 3 aber wollte ich nicht reden, und wir werden uns sicher heute etwas später unterhalten.
Warum klammert er nur so, damit zerstört er eigentlich das schöne Gefühl, was vorher da war. Ich mag ihn wirklich und er ist ein wunderbarer Mensch. Gestern allerdings ist mir noch etwas passiert. Ich gehe zum Hotel am Abend und sehe dort einen jungen Mann der extrem gut aussieht und ich kann es eigentlich kaum glauben, dass jemand so gut aussehen kann. Er fährt wohl Taxi, denn er sitzt vor einem Taxi.
Ich gehe an ihm vorbei er grüsst mich nett. Nun ich grüsse zurück und gehe weiter. Er lächelt mich an und auch wo ich weiter gehe mich immer wieder umdrehe lächelt er mich weiter an. Ein unglaubliches Lächeln. Ich aber gehe ins Hotel. 1 Stunde später gehe ich wieder an die Stelle wo er war, denn es liegt auf dem Weg in die Bar. Er aber ist nicht da.
Manchmal frage ich mich verlange ich zuviel, möchte ich zuviel, warum bin ich nicht ein wenig bescheidener. Ich treffe wunderbare Menschen auf meinen Reisen und viele von ihnen wären für mich ein wunderbarer Partner. Ich aber möchte noch mehr, und manchmal frage ich mich ist es nicht vielleicht zuviel was ich erwarte? Und doch habe ich meinen zukünftigen Partner schon einmal gespürt und sicher wird er mich finden so wie es sein soll. Daher geniesse ich weiterhin diesen wundervollen Weg dorthin.
Das Universum wird schon wissen, wann es mir diesen Mann noch einmal präsentieren will, den ich gestern an der Strasse gesehen habe. Vielleicht aber habe ich auch in jenem Moment den perfekten Mann gesehen, er hat richtig geleuchtet und seine Ausstrahlung war enorm. Ich glaube ich habe noch nie jemanden gesehen, der mir so sehr gefallen hat und dessen Ausstrahlung mich fast umgehauen hat.
Wie meist, habe ich keinen Mut ihn anzusprechen. Aber ich lehne mich entspannt zurück, denn wenn das Universum möchte, dass ich ihn wieder sehe, wird das auch passieren.
Ich danke dem Universum für diese einmalige Erfahrung, jemand so besonderes sehen zu dürfen. Alleine dieser Moment war für mich unglaublich und ich werde ihn so schnell nicht vergessen. Es war wie ein Einblick ins Universum, als hätte ich einen Teil des Universum gerade berührt.
Selten hatte ich in meinem Leben solche bewussten Momente, einmal in Machu Picchu, einmal in Patagonien, und dann hier das ist schon unglaublich einfach auf der Strasse indem ich nur einen Menschen sehe.
Heute morgen dann auf dem Weg ins Cafe wo ich immer arbeite und schreibe, passiert mir ebenso etwas ganz seltsames. Ich gehe über die Strasse und auf einmal spüre ich das “jetzt” aber in einer Intensität wie ich es noch nie wahr genommen habe. Ich fühlte den Moment, die Ewigkeit des Moments und ich fühlte die Richtigkeit des Moments. Ich fühlte mich so sehr im Jetzt, dass ich noch einen Moment dort verweilte.Mir stellten sich alle Haare zu berge und ich hatte ein warmes inniges Gefühl und das einfach indem ich spazieren gehe. Ich war einfach unglaublich glücklich im jetzt, ein Gefühl was ich gerne noch einmal erleben möchte.
Liegt es an den vielen Besuchen im Tempel, an dem Ort hier oder woran liegt es ich weiss es nicht. Vielleicht aber werde ich einfach bewusster, und gehe auch bewusster mit mir um. Vielleicht auch lerne ich einfach den Moment zu geniessen und noch bewusster alles um mich herum wahrzunehmen.
Auf jeden Fall ist es eine schöne Erfahrung und es könnte auch sein, so kommt mir gerade die Idee beim schreiben, dass ich mich einfach selber finde. Ich werde wohl darüber noch öfter nachdenken und vielleicht bei einem meiner nächsten Besuche im Tempel auch einmal für mich beten, dass ich mich selber finde und Fortschritte mache um noch bewusster zu werden.
Heute ein schönes Zitat von Sri Aurobindo:
“Das bewusst werden der Unmöglichkeit
ist der Beginn aller Möglichkeiten.”
Die letzten Tage habe ich immer mal wieder mit Rut verbracht. Nicht, dass wir den ganzen Tag zusammen waren, wir haben uns meist Abends für 1- 2 Stunden getroffen, gestern hat er bei mir im Hotel übernachtet vorgestern wollte ich alleine sein im Hotel.
Rut überrascht mich immer wieder, er ist mir ähnlicher als ich dachte. Er trinkt gerne Bier, er mag viele Dinge die ich auch mag, er ist sehr sensibel, er geht gerne in den Tempel. So viele Gemeinsamkeiten habe ich selten erlebt. Wir geniessen die Zeit zusammen und er lässt mir trotzdem genügend Raum um meinem Leben nachzugehen.
Gestern waren wir in einem Tempel in Silom, dem Stadtteil wo ich mich meistens aufhalte. Ich wusste gar nicht dass er dort einen Tempel gibt. Dieser Tempel ist auch wieder ganz anders als die vielen anderen Tempel die ich schon gesehen habe.
Wir gingen zunächst zu einer Art Empfangshalle, dort haben wir einen Zettel ausgefüllt mit unserem Namen und haben dann einen weiteren Zettel bekommen, den wir später verbrannt haben. Es ist schon erstaunlich wie vielfältig die Kultur in Thailand ist, wir können uns das gar nicht vorstellen. Jeder Besuch eines anderen Tempels ist für mich wie ein neues Abenteuer und ich geniesse es, wie gestern mit Rut neue Dinge kennen zu lernen.
Immer wieder fasziniert mich der Gegensatz zwischen alt und neu. Da stehen alte Tempel inmitten der Hochhäuser und der Skyline von Bangkok. Das ist schon ein gewaltiger Anblick und ich geniesse diesen Anblick sehr.
Doch zurück zum inneren des Tempels. Nachdem wir die beiden Papiere bekommen haben, und natürlich etwas Geld gespendet haben, das gehört eigentlich immer dazu, ging es dann zur ersten Station. Hier ist es übrigens eine Ehre dem Tempel oder den Mönchen etwas zu spenden, im Gegensatz zu Europa wo Spenden doch immer als etwas eher lästiges angesehen werden.
Die erste Station waren ein paar Kisten wo wir als erstes unseren Zettel, nachdem wir ihn mit Klebstoff bestrichen haben angeklebt haben. Dazu wird wie immer gebetet. Man kann hier für sich selber beten oder auch für andere, ich bete nur für andere, denn ich denke, das Universum hat mich sowieso schon äusserst gut bedacht, was kann ich mir noch mehr wünschen.
Diese Kisten sind, wie mir Rut dann erklärte Särge. Diese Särge werden denen gegeben, die kein Geld haben ihre Angehörigen unter die Erde zu bringen. Auch einen Sarg zu kaufen kostet ja Geld und hier wird mit unserer Spende ein Sarg unterstützt für einen Menschen, der nicht das nötige Geld dafür hat. Wie schön, dass es solche Sitten, gibt, da könnten wir uns viel in Europa abschauen.
Dann ging es zur nächsten Station und diese war etwas ausgiebiger. Wir nahmen uns wie immer Räucherstäbchen, normalerweise nimmt man sich 3 Stück und diese 3 werden mit einer Blume zusammen vor dem Buddha oder vor einem heiligen Ort abgegeben, natürlich vorher entzündet. Der Geruch diese Räucherstäbchen ist für mich mittlerweile sehr angenehm und trägt zur schönen Atmosphäre dieser Tempel bei.
Hier mussten wir uns dieses Mal 20 Stäbchen nehmen, denn es gibt eine Menge Orte zum Beten. Alle sind in einem anderen Tempel untergebracht und so sind wir in diese Tempel und zündeten zunächst alle Räucherstäbchen an. Diese glimmen dann vor sich hin.
Dann gingen wir mit den Räucherstäbchen zu dem ersten Ort wo wir ungefähr 1-3 Minuten beten, je nachdem. Gebetet wird mit den Räucherstäbchen in der Hand und 3 dieser Räucherstäbchen stellt man dann in die Gefässe die mit Sand gefüllt sind.
Nachdem wir alle Stationen durch hatten hatten wir 2 Stäbchen übrig. Nun 2 ich dachte das passt ja nicht, doch die Auflösung sollte schnell kommen. Am Ausgang des Tempels standen noch 2 Gefässe, da kommt jeweils noch ein Stäbchen rein.
Jeder Tempel ist anders, alle Sitten sind anders in anderen Tempeln, wie soll man da nur durchblicken. Wie gut, dass ich Rut dabei hatte der mir erklärte warum und weshalb was gemacht wird.
Immer wieder fühle ich mich in diesen Tempeln äusserst wohl ich weiss nicht warum. Eine unglaubliche Ruhe überkommt mich und ich kann gut nachdenken. Ich meditiere gerne ein wenig im Tempel, auch wenn es so glaube ich nicht ein richtiges meditieren ist sondern eher ein nachdenken, aber letztlich ist es egal, denn wenn es mir gut tut, ist es richtig.
Wir hielten uns insgesamt ca. 1,5 Stunden in der Tempelanlage auf. Es braucht schon seine Zeit bis man alle Stationen durchgebetet hat und zudem möchte man ja noch eine Zeit zum Nachdenken haben. Rut freut sich sehr, dass auch mir die Tempel gefallen und geniesst die Zeit mit mir sehr, das kann ich fühlen.
Oben ist ein Bild zu sehen mit vielen vielen Glocken, diese Glocken schlägt man an und ruhig alle nacheinander.

Hier verneigt man sich vor dem Buddha - auf dem Podest sitzen manchmal Mönche welche heiliges Wasser austeilen
Dann bekommen die oben im Himmel mit, dass man im Tempel war und das wird positiv für das nächste Leben gewertet. Man ist eben bemüht hier alles zu tun, damit das nächste Leben noch angenehmer wird, also gibt man sich Mühe gut zu sein und gute Dinge zu vollbringen. Das in Verbindung mit dem enormen Harmonie Bedürfnis der Thais erklärt warum es hier eigentlich keine Kriminalität gibt. Der Buddhismus an sich verbietet das ja schon und jeder glaubt, dass er nur dann ein gutes nächstes Leben hat wenn er sich in diesem Leben bemüht alles gut zu tun.
Eine überaus interessante Kultur, in die ich jeden Tag ein wenig mehr hinein kommen darf. Es ist ja ein brutaler Gegensatz zu Lateinamerika, wo man die Werte ja schon lange verloren hat. In Lateinamerika regiert das Verbrechen und hier regiert die Liebe.
Sicher, nicht alles ist Gold was glänzt, und sicher gibt es auch hier einige Menschen die lügen oder nicht gute Dinge vorhaben. Die Mehrheit jedoch ist friedlich und möchte ein harmonisches ruhiges Leben. Das spürt man hier und wie schon in Kambodscha bin ich übermannt von dieser so freundlichen und respektvollen Art der Menschen an diesem Ort der Welt. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, und frage mich eigentlich was mich so lange in Mexiko gehalten hat.
Schon viel früher hätte ich hier her kommen können und diese wunderbare Vielfalt erleben können. Trotzdem denke ich alles hat seinen Grund und so hatten meine Jahre in Mexiko auch ihren Grund.
Der gestrige Besuch im Tempel war für mich mal wieder ein wunderbares Erlebnis. Auch wenn ich schon oft in Tempelanlagen war, so ist doch jeder Tempel anders.
Wunchen habe ich gestern abend nicht gesehen, er scheint ja ganz lieb zu sein, aber irgendwie fühle ich mich im Moment nicht ganz wohl mit ihm.
Wobei ich mal wieder bei der Partnersuche wäre. Ich suche nicht mehr. Ich glaube, dass ich im Moment auch keine Zeit dafür habe. Zudem kann ich mich wirklich um einen weiteren Menschen kümmern? Ich habe zur Zeit genügend Aufgaben, die ich erledigen möchte, und diese brauchen meine ganze Konzentration. Daher wäre jetzt eigentlich ein schlechter Zeitpunkt um meinen zukünftigen Mann kennen zu lernen.
Das verschiebe ich dann doch besser auf das nächste Mal und geniesse einfach den wunderbaren Weg bis ich ihn gefunden habe.
Die gestrige Analyse eines Thai, wenn man das so nennen kann, war für mich schon sehr interessant und ich konnte das gelernt gleich gestern vertiefen mit einem netten Mann an meiner Seite.
Rut, so hies mein gestriger Begleiter. Rut habe ich bereits am ersten Abend hier in Bangkok gesehen und er hat mich angelächelt. Ich hatte den Eindruck er wollte bereits an dem ersten Abend vor 7 Wochen etwa mit mir mitgehen. Er sieht nett aus, nicht der hübscheste aber einen tollen Körper und seine Art gefällt mir.
Da es aber mein erster Abend war, wo ich ihn gesehen habe, bin ich nicht auf ihn eingegangen sondern habe mir das ganze erst einmal aus der Ferne angesehen. Vielleicht war ich auch einfach nur zu schüchtern um gleich in die Vollen zu gehen.
Vor 2 Tagen haben wir dann die Telefonnummern in der Disco ausgetauscht und gestern haben wir uns dann zum Mittagessen getroffen. Es war nett mit ihm wir unterhielten uns über viele Dinge und er scheint er sehr offener netter junger Mann zu sein.
Ich hatte ihn schon vorher ein paar Mal mit einem anderen Mann gesehen, dann mal wieder mit einem anderen und dachte naja der hat ja auch viele Männer an seiner Seite.
Rut arbeitet wie schon Wunchen in einer Bar in der Boys Town. Er bedient dort und bekommt für einen Abend 2,50 Euro.
Das Geld aber wird anders verdient. Viele Ausländer gehen sobald sie in Bangkok ankommen in die Boys Town und suchen sich einen netten Kerl für den Abend. Daher sind auch alle so schnell in Begleitung, denn das ist hier das System.
Man geht also in die Boys Town und dort sucht man sich jemanden aus. Gogo Boys und die Money Boys sind eigentlich das gleiche. Ein Gogo Boy arbeitet halt in einer Bar wo er nur im Slip auf einer Bühne tanzt. Der Money Boy ist angezogen und bedient eben in einer Bar. Praktisch für die Inhaber, denn diese brauchen eigentlich selten etwas zu zahlen, weil die meisten umsonst arbeiten dort.
Man sucht sich also einen netten Begleiter für die Nacht aus und zahlt dann 500 Bath was etwa 12,50 Euro sind an den Barbesitzer als Auslöse. Vorher bespricht man mit dem Money Boy noch den Preis den er für die Nacht haben möchte. Meist sind es 1000 Bath mal mehr, mal weniger.
Beide zusammen gehen dann in die Telephone Bar oder in die Balcony Bar in der Soi 4. Soi 4 so heisst die Strasse wo die meisten Bars sind.
Daher habe ich auch immer gleich dort die jungen Thai Boys mit den Ausländern gesehen, ich fragte mich immer wo diese herkommen, jetzt aber weiss ich es, diejenigen die eben Bangkok kennen, gehen gleich in die Boys Town um sich einen Boy auszusuchen. Die Boys Town ist 5 Minuten von den anderen Bars entfernt und so hat man es nicht weit.
Endlich habe ich gelernt und verstanden wie das System hier funktioniert. Vielleicht hat es etwas lange gedauert aber ich freue mich das System verstanden zu haben.
Die Gespräche mit Rut waren wirklich sehr nett und wir sind dann nachmittags noch zum Weekend Market gefahren, denn ich hatte noch vor ein paar Geschenke für meine Lieben zu kaufen. Ja, sicherlich ist mein Koffer mehr voller Geschenke als voller Kleidung, aber ich habe ja auch ein paar Freunde und Bekannte welche ich ein wenig beschenken möchte.
Wir gingen abends dann aus und tranken ein paar Bier. Rut trinkt auch gerne Bier und so haben wir zusammen das gute Bier hier genossen bei einem netten Gespräch. Rut erklärte mir wie das Leben hier abläuft und wie die Zusammenhänge sind. Nachdem ich ja schon im Internet recherchiert habe und zudem einige eigenen Erfahrungen gemacht habe, wurde mir letztlich das bestätigt was ich mir dachte.
Auch zu Wunchen habe ich schon eine andere Meinung. Oft wird hier geschauspielert, das heisst man sagt dass man traurig ist, wenn man jemanden nicht sehen kann, was aber nur gespielt ist. Auch Wunchen sagte mir gestern er sei traurig, dass ich nicht bei ihm bin, nun offen gesagt glaube ich es nicht ganz. Man macht gerne dem Farang ein schlechtes Gewissen, damit er bei einem bleibt und mit ihm zusammen ist.
Klar, jedes Bier was ich in der Bar trinke wird mit 10 Bath, 25 Cent dem Money Boy vergütet, so sagte mir Rut gestern. So möchten also viele, dass ich mit ihnen zusammen bin. Zudem geht man ja schön essen, was sich sonst auch keiner erlauben kann.
Rut hat mich gestern in sein Zimmer eingeladen was er für 60 Euro im Monat mietet. Ich war, so sagte er, der erste Ausländer, der sein Zimmer betreten hat. Wir gingen dort um ca. 10 Uhr abends hin, es war schon dunkel und er wollte seine Kleidung wechseln vor dem ausgehen.
Er wohnt nicht weit von den Bars entfernt in einer dunklen Strasse. Eigentlich ist es wie ein Hinterhof und also wir dort hineingingen in den Hof, liefen mir einige Ratten quasi über die Füsse. Ich mag keine Ratten, und es ist wirklich kein schönes Gefühl zwischen Ratten in ein dunkles Haus zu gehen.
Ich komme in ein Haus hinein, was ich so als Haus nicht bezeichnen würde. Es ist eine Absteige in einem Hinterhof, eine Treppe ohne Geländer führt in die erste Etage. Dort hängt vor einer der Türen dann ein grosses Schloss und dort gehen wir ins Zimmer.
Es ist wirklich nur ein Zimmer, kein Fenster nur ein Lüfter steht in dem Zimmer. Ein Bügeleisen ein Kissen und eine Decke wo Rut nachts schläft. Kein Bett, kein Fernseher und nichts. Eine Toilette oder ein Bad gibt es auch nicht, zumindest nicht in der Nähe des Zimmers. Vielleicht gibt es eine Toilette ausserhalb das weiss ich nicht.
Er zeigte mir ein paar Schuhe welches die Ratten angefressen haben. Er war bei seiner Schwester und übernachtete bei ihr, und dort laufen nachts ständig Ratten durchs Haus. Überhaupt habe ich noch nie so viele Ratten wie hier in Bangkok gesehen. Mexico hatte ja schon viele Ratten aber hier das ist der Wahnsinn. Der Müll wird an die Strasse gestellt und nachts abgeholt. Vor dem Abholen aber bedienen sich die Ratten an dem Müll.
Also ganz ehrlich das ist schon heftig wenn man so etwas sieht und ich wollte so nicht wohnen das muss ich sagen. Inmitten von Ratten und ohne Bett nur auf dem Boden liegend, mein Ding wäre das nicht.
Rut unterstützt seine Familie mit dem Geld was er verdient. Er schickt 60 Euro im Monat zu seinen Eltern, nun wenn es geht eben denn es geht nicht immer und 40 Euro zu seinen beiden Schwestern. Eine Schwester kann nicht laufen, sie ist wohl ohne Beine geboren worden, genauer habe ich da aber nicht nachgefragt.
Die Eltern können nicht arbeiten, da die Mutter krank ist und der Vater sehr schwach ist. Die gesunde Schwester kümmert sich um die die nicht laufen kann. Trotzdem ist die ganze Familie glücklich und alle sind guter Dinge. Naja ganz glücklich auch nicht, denn Rut möchte gerne einen netten Mann an seiner Seite. Er fühlt sich oft alleine, denn natürlich hat er nicht jeden Tag einen Kunden mit dem er mitgeht.
Rut sieht nicht ganz so gut aus wie viele andere daher hat er nicht ganz so viele Kunden. Er besucht normalerweise zum thailändischen neuen Jahr seine Eltern aber dieses Jahr nicht, denn er hat nicht genug Geld für sie. Jedes Jahr bringt er Geld mit nach Hause aber dieses mal kann er es nicht. Es sind nicht so viele Touristen in Bangkok und daher sind seine Einnahmen eher schwach dieses Jahr.
Er lebt hier in Bangkok weil er hier arbeiten kann. Er würde gerne studieren nur hat er dafür das Geld nicht. Sicher es gibt staatliche Unterstützung aber er ist schon 25 Jahre alt seit 7 Jahren aus der Schule draussen, da ist es nicht so einfach diese Unterstützung zu bekommen. Also man kann hier studieren das ist klar, aber man braucht auch etwas Geld dafür. Neet hat den Vorteil, dass er seine Familie nicht unterstützen muss, daher kann er studieren, von Rut aber sind 4 Menschen abhängig.
Rut war schon 2 mal verheiratet, aber das nicht richtig. Es gibt hier in Thailand eine Art Hochzeit was aber keine offizielle Hochzeit ist. Diese Hochzeit wird oft gewählt um eben zwar zu heiraten aber nicht die Papiere dafür zu haben, so hat man zwar geheiratet aber trotzdem ist die Verpflichtung dann doch nicht so stark. Wenn geheiratet wird in Thailand ist das ganze Dorf dabei. Eine Hochzeit finden in dem Dorf statt und dort feiern alle ausgelassen und freuen sich darüber, dass ein anderer seinen Partner gefunden hat.
Diese Art der Heirat wird auch öfter gewählt für schwule Beziehungen. Rut war schon 3 mal in Europa und dort mit einem Mann zusammen. Er war immer für 3 Monate dort, aber dann hat er doch entschieden wieder zurückzugehen, denn man hat ihn nicht gut behandelt dort. Einer hat ihn eingeladen zu sich und dort wartete er dann mit seinem Freund auf ihn und er wollte eine Dreierbeziehung jedoch ohne etwas davon zu sagen. Rut hat es vorgezogen wieder nach Thailand zu gehen, denn er möchte jemanden an seiner Seite der nur ihn liebt.
Rut ist wirklich sehr nett und er hat sich bei mir z.b. entschuldigt für seinen Job den er hat. Nun ich denke man sollte die Menschen nicht beurteilen, denn wer erstellt die Massstäbe. Wer sagt der eine oder der andere Weg ist richtig?
Rut muss seine Familie unterstützen, da bleibt ihm nicht viel Wahl. Von mir wollte Rut kein Geld haben, nun er hat mich ja auch angemacht und nicht ich ihn. Ich finde es schön, dass er mir gleich sagt wie er arbeitet also was er macht. Einen Einblick in das Leben eines Thai zu bekommen ist für mich äusserst spannend wenn auch ein wenig schockierend, denn unter solchen Verhältnissen möchte ich nicht leben.
Vieles in Thailand sieht eben nett aus und auch sind alle gut angezogen, nur man sieht oft nicht was dahinter steckt. Wie schön, dass ich ein wenig Einblick bekommen konnte und nun auch sehe was dahinter steckt.
Rut sagte mir gestern noch, nicht alle Money Boys seien schlecht, es käme auch immer darauf an was sie machen und warum und damit hat er sicherlich Recht.
Ich kann ihn gut verstehen und es ist ja nicht so dass sie mit jedem ins Bett gehen. Man kann sich schon den Kunden aussuchen und wenn einem einer gefällt dann macht man das halt. Ich hatte ihn gefragt und was machst Du, wenn Du dann Sex hast mit manchen? Er meinte nur naja dann muss ich eben manchmal die Augen zumachen und an was nettes denken.
Das Leben ist für ihn schon nicht so leicht. Ich fragte ihn was machst Du gleich, weil ich bin ja jetzt am arbeiten und am Blog schreiben. Er sagte er weiss nicht sich langweilen eben, denn er hat ja Abends seinen Job und nachts ist er nur in dem Zimmer zum schlafen und um sich umzuziehen. Ich verstehe, dass er mehr in dem Zimmer nicht machen kann, denn schön ist es wirklich nicht und die Luft dort ist sehr stickig, da es kein Fenster gibt.
Rut gefällt mir von seiner Art. Er ist sehr lieb, und scheint jemand zu sein, der einen festen treuen Partner sucht. Er mag eben auch Ausländer und würde gerne in Europa leben. Im Bett war es sehr nett mit ihm, lange habe ich so etwas nicht mehr genossen und die ganze Nacht hat er mich umarmt und ich ihn. Es war sehr schön ihn im Arm zu haben und selten habe ich das so genossen wie bei ihm. Ich kann ihn gut verstehen, denn einfach ist das Leben hier nicht auch wenn es manchmal so aussieht.
Es ist eben nicht alles Spass und Freude so wir Touristen das so oft wahrnehmen. Die Wirklichkeit sieht oft anders aus.
Heute möchte ich einen Eintrag schreiben darüber wie ein Thai tickt. Mich hat die letzten Tage sehr beschäftigt die Mentalität der Thai, was fühlt ein Thai, was gibt er von sich preis und was nicht.
Ich habe ja nun einige Thais kennen gelernt und es war nicht nur oberflächlich sondern ich hatte schon die Möglichkeit in den einen oder anderen hineinzusehen, mal mehr, mal weniger. Also habe ich ein wenig im Internet geschaut und ein paar interessante Artikel gefunden.
Ich glaube ich habe einen Ansatz gefunden die Thai zu verstehen, was natürlich nicht heisst, dass ich sie komplett verstehe, aber ein Ansatz ist da.
Gestern sprach ich mit Wunchen, den ich in seiner Bar besucht habe. Ich wollte gestern einen Abend alleine verbringen und schön, er gibt mir die Freiheit dazu und schrieb mir vorab, dass ich auch einen Abend alleine verbringen könnte, ich müsste ja nicht jeden Abend mit ihm zusammen sein. Recht hat er, denn genau das war es was mich an Neet störte, jeden Tag das war mir dann doch zu viel.
Wunchen sagte mir gestern, er sei sich nicht sicher ob ich ihn gut ernähren könne, also mich gut um ihn kümmern könne. Das scheint eines der zentralen Themen zu sein die jeder Thai sucht. Es ist ein Take care ähnlich you take care about me, i take care about you.
Das kann so aussehen, dass einer jemanden finanziell versorgt und ihm ein gutes Leben bietet und der andere dafür alles macht, dass man glücklich ist. Ein Thai ist mit jemandem zusammen weil er ein gutes Herz hat und sich demzufolge gut um ihn kümmert, sprich mit Geld versorgt. Das ist für jeden Thai die Basis für eine gute Beziehung, zumindest wie ich es im Moment verstehe.
“sanuk”, was Spass haben bedeutet, ist eines der wichtigsten Worte für die Thais. Alles dreht sich um sanuk, was nicht sanuk ist lässt man. Wenn etwas unvermeidlich ist wird es eben mit sanuk etwas angenehmer gemacht.
Wie ich gelesen habe ist Thailand überaus verwöhnt worden von der Natur fast wie in einem Paradies. Es gibt eine unglaublich reiche Auswahl an Früchten, Gemüse, Gewürze usw. So hatte man eigentlich immer alles in Thailand was man benötigte. Dadurch konnte man sich das Leben etwas verschönern mit angenehmen Dingen. Man konnte sich um Spiel und Spass kümmern, mit Freunden plaudern, oder ausgiebige Familienfeiern angehen. Ein Leben ohne grosse Anstrengungen gab den Menschen die Möglichkeit sich um schöne Dinge des Lebens zu kümmern.
Dies ist die Basis für das Leben der Thais bis heute.
Essen ist für die Thai sanuk, man isst gerne und immer. Die unglaubliche Vielfalt der Thai Küche läd natürlich auch dazu ein.
Shopping zum Beispiel ist sehr sanuk für die Thai. Ein Thai kauft immer auch wenn er sich Geld leihen muss, es wird immer gekauft und er Preis scheint dabei keine Rolle zu spielen. Der Thai kauft so lange bis kein Geld mehr da ist.
Fernsehen ist für die Thai ebenso sehr sanuk, denn das ist die Unterhaltung schlechthin. Ein Fernseher läuft immer und man sieht unterhaltsame Sendungen. Kritische Sendungen mag man nicht, denn das ist ja nicht sanuk, kein Spass.
Streitigkeiten werden wenn es irgendwie geht vermieden, denn der soziale Frieden soll ja erhalten bleiben. Es gibt eigentlich nur humorvolle Gespräche, wenn jemand kritisiert, wird es eher negativ für den Kritisierenden gesehen und nicht für den der kritisiert wird.
Ehre und Respekt spielen eine grosse Rolle in der Erziehung der Thai. Daher versucht ein Thai sofort jemand neuen gesellschaftlich einzuordnen und ihm eine feste Position zu geben. Der Rang entscheidet wie man gegrüsst wird. Thais kleiden sich immer äusserst gut und gesellschaftlich ein besseres ranking zu bekommen als sie eigentlich haben.
Die persönliche Ehre ist für einen Thai äusserst wichtig, ein Verlust des Gesichts ist für ihn wie ein kompletter Zusammenbruch. Wenn der Stolz und die Ehre eines Thai in Gefahr geraten dann sind auch alle buddhistischen Grundsätzen nicht mehr wichtig, so wie ich gelesen habe wird ein Thai alles machen um zumindest ein Teil seines Gesichtsverlustes wieder zurückzubekommen und lässt den Entehrer nicht ungeschoren, denn damit kann einen Teil seines Gesichts wieder zurückbekommen.
Niemand stellt einen anderen bloss, Harmonie ist das Zauberwort und wenn einmal brenzlige Momente kommen, ja ruhig bleiben und sich nichts anmerken lassen. Thais mögen eher die Oberflächen Realität und bevor es Konflikte gibt weicht man lieber aus oder akzeptiert Ungerechtigkeiten damit der soziale Frieden erhalten bleibt.
Ein Thai tut sein äusserstes um Konflikte zu vermeiden. Wut oder Ärger wird schon als Gefahr angesehen für die soziale Harmonie.
Ein Lächeln in Thailand kann verschiedene Dinge bedeuten. Ich bin glücklich, ich mag Dich überhaupt nicht oder mir geht es einfach schlecht. Ebenso kann es ein Verlegenheitslächeln sein, mit der man sich einer prekären Situation entzieht oder es ist einfach ein Dankeschön.
Thais werden nicht böse, wenn etwas nicht klappt, dann ist es halt so, man lächelt dazu und weiter geht das glückliche Leben. Ein Thai würde sich nie aufregen wenn bei einer Behörde ihm Hindernisse in den Weg gestellt werden, er lächelt dazu und geht eben so lange zu der Behörde bis er alles hat was er benötigt. Im Gegensatz zu uns Deutschen, die sich gleich über alles aufregen.
Was für ein Gegensatz der Kultur.
Die Thai Familie ist das Zentrum des Lebens für jeden Thai. Daher ist es auch so, dass man wenn man einen Thai heiratet gleich die ganze Familie heiratet. Man muss einen Thai beispielsweise aus einer Familie auslösen, das ist ein Muss und bei Thai Frauen zumindest wird es immer gemacht, ich weiss nicht wie es bei Männern ist. Je nach dem wie hoch gesellschaftlich eine Familie ist ist auch der Preis entsprechend gestaltet, meist liegt er wohl zwischen 1000 und 2000 Euro.
Geld zu haben heisst in Thailand hohes Ansehen und eine hohe gesellschaftliche Positionierung. Daher zeigen Thai gerne auch was sie nicht haben, sei es eine Goldkette oder ein schöner Ring, hier ist es nicht wichtig ob sie es sich leisten können, wichtig nur, dass sie zeigen können, das heisst man kann es sich ja leisten.
Ich sehe hier viele Thais mit einem IPhone und mein Blackberry hier ist schon fast old fashioned. Thai sind Ästeten und das merkt man überall. Sie kleiden sich schön, sie pflegen sich sehr, ein Thai duscht normalerweise mindestens 2 Mal am Tag, sie pflegen nette Unterhaltungen und widmen sich dem Spass am Leben.
Problemen wird aus dem Weg gegangen. Ein Chef in einer Firma zum Beispiel wird über Probleme in der Firma nicht informiert selbst wenn sie existenzgefährdend sind, nur damit man ihn nicht verärgert.
Ein Farang (Ausländer) ist für einen Thai immer reich und man könnte sagen wir Farang sind für einen Thai wie ein Geldautomat mit Beinen, was aber nicht negativ gemeint ist.
Die Beziehung eines Thai zu Geld ist schon eine besondere und für uns Farang eigentlich nicht zu verstehen. So lange Geld da ist wir es ausgegeben. Jemanden Geld wegzunehmen heisst übrigens nicht stehlen, es gilt als Ausleihen was man aber nicht zurückgibt, das ist eben die Kultur hier und es wird auch nicht als negativ angesehen.
Mir ist es bislang nicht passiert, dass sich ein Thai bei mir bedient hat, naja so viele kenne ich vielleicht auch noch nicht. Solange man also nicht widerspricht dass einem Geld genommen wird oder es wegschliesst, ist es völlig normal dass es “ausgeliehen” wird.
Wenn kein Geld da ist muss eben improvisiert werden. Man leiht sich dann Geld von anderen, zum Beispiel. Leihen ist immer schenken, man bekommt es nie zurück. Geld ist dazu da ausgegeben zu werden und Spass zu haben. Shopping ist sehr sanuk und das wird hier auch ausgelebt. Sobald Geld da ist wird es ausgegeben. Man sorgt sich nicht um morgen, nur das heute ist wichtig.
Ein Thai plant nicht sein leben so lese ich es zumindest, obwohl ich schon andere Ansätze hier kenne gelernt habe.
Gestern traf ich ja Wunchen und wir unterhielten uns ein wenig. Die Unterhaltung war etwas seltsam und ich kann ihn einfach nicht einschätzen. Er sagte ja ich könne ihn nicht ernähren, und er sorge sich um seine Zukunft, was eigentlich nicht typisch sein dürfte für einen Thai. Er sagte er müsse aus dem Zimmer seiner Schwester raus, da ihr Freund aus Europa komme und dann müsse er woanders ein. Er fragte ob ich mir ein Zimmer nehmen würde hier, wenn ich ja öfter hier wäre. Das wäre ja günstiger als ein Hotel. Zudem sagte er mir gestern als ich ihn dann verlassen habe und in die Disco gegangen bin, dass er später schaut in der Disco und hofft dass ich mit keinem anderen zusammen bin, denn sonst würde er mich “boxen” so wie er das sagte. Das widerspricht komplett der Thai Mentalität wenn ich das mal so sagen darf, daher ist er für mich einfach ein Rätsel.
Gerade schreibt er mir, dass er gestern etwas betrunken war besser ich zitiere ihn hier einmal, da bekommt ihr einen kleinen Eindruck wie ich mich hier verständige und wie gut ein Thai englisch spricht: Hey Dear .. How are you today? R u wake up .. you are Dance so hurt last night .. sorry about last night if I talk something no good with you . I am drink so much
Nun es ist schon lustig auf der einen Weise so eine SMS zu bekommen, andererseits ist es wirklich nicht einfach einen Thai zu verstehen.
Trotzdem glaube ich, ich habe in den letzten Tagen grosse Schritte zum Verständnis eines Thai gemacht.
Gestern schrieben mich noch zwei Männer an. Einer, den ich schon lange kenne, wir unterhielten uns ein paar Mal in der Disco und er sah mich in der Disco schrieb mir dann eine SMS dass er Sex möchte. Ein anderer, wir sahen uns schon seit dem ersten Tag hier in Thailand und immer wieder lächeln wir uns zu. Ich gab ihm gestern meine Nummer und er schrieb mir prompt und wollte mich sehen und ist glücklich nun, dass wir Kontakt haben.
Mit ihm werde ich mich gleich treffen und zusammen lunch haben.
Ein wunderschönes Zitat von Khalil Gibran zum Thema einen Menschen verstehen:
“Die Wirklichkeit eines anderen Menschen liegt nicht darin, was er dir offenbart,
sondern in dem was er dir nicht offenbaren kann.
Wenn Du ihn daher verstehen willst, höre nicht auf das was er sagt,
sondern vielmehr auf das, was er verschweigt.”